Ohnmacht – ein Priester flüchtet aus der Stadt
Es gibt so Momente im Leben, da hat man dieses Gefühl, das allgemein als “Klos im Hals” beschrieben wird.
Ich hatte dieses Gefühl als ich über die Tage als Zuglektüre für den Weg zur Uni und zurück Max Frischs “Andorra” las.
Wikipedia schreibt folgendes über das Drama:
In Form einer Parabel thematisiert Frisch am Beispiel des Antisemitismus die Auswirkung von Vorurteilen, die Schuld der Mitläufer und die Frage nach der Identität eines Menschen gegenüber dem Bild, das sich andere von ihm machen.
Das Drama handelt von Andri, einem jungen Mann, der von seinem Vater unehelich mit einer Ausländerin gezeugt wurde und deshalb von ihm als jüdischer Pflegesohn ausgegeben wird. Die Bewohner Andorras begegnen Andri permanent mit Vorurteilen, so dass er selbst nachdem er seine wahre Herkunft erfähren hat, an der ihm zugewiesenen jüdischen Identität festhält. Es folgt seine Ermordung durch ein rassistisches Nachbarvolk. Nachdem die Andorraner alles geschehen ließen, rechtfertigen sie ihr Fehlverhalten und ihre Feigheit vor dem Publikum und leugnen ihre Schuld.
Das eigentliche Drama, wenn das Wort dafür ausreicht, ist die Flucht eines Priesters in Bochum.
Durch den Artikel “Jugendliche vertreiben Priester aus der Stadt” auf dem Online-Angebot der Ruhr Nachrichten bin ich auf die Geschichte des Aleksejs Ribakovs aufmerksam geworden. In dem Artikel wird davon berichtet, dass der Priester in seiner Siedlung immer angefeindet worden sei. Dabei wurde er selbst bespuckt, beleidigt und sein Auto mit Fäkalien beschmiert. Den Tiefpunkt erreichte das ganze an diesem Wochenende. Aleksejs Ribakovs wurde von drei Jugendlichen angegriffen und verletzt.
Als Reaktion auf diesen Überfall und den anhaltenden Anfeindungen, hat der Priester nun vor allem zum Schutz seiner Kinder vor, aus Bochum zu fliehen und in eine andere Stadt zu ziehen.
Ich muss ehrlich zuegeben, dass der Klos im Hals, von dem ich Eingangs schrieb nicht verschwunden ist und
sich dazu das Gefühl der Ohnmacht gesellt. Der Artikel lässt mich erschrecken, denn vermittelt, dass diese Flucht das letzte Mittel sei und es keine Alternativen gäbe. Ein Abfinden mit der Gewalt und Hass.
Bisher habe ich nur durch diesen Artikel von den Ereignissen erfahren und muss mich vollständig auf ihn verlasen. Ich hoffe in den nächsten Tagen mehr darüber und von einer entprechenden Lösung zu erfahren.
Ich möchte nicht glauben, dass Flucht das Mittel ist und das so etwas (von der Gesellschaft) geduldet wird.
Update:
Auch DerWesten berichtet über die Vorkomnisse in dem Artikel “Jugendliche vertrieben orthodoxen Prister aus Bochum”.
Und als hätte ich es geahnt, nein, vielmehr befürchtet, wird auf Hass und Gewalt resultierend aus Ressentiments mit eigenen Ressentiments innerhalb der Kommentare gehandhabt und geantwortet.
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Beitragsinformationen
| Veröffentlicht: | 20.Oktober 2009 um 19:15 Uhr |
|---|---|
| Modifiziert: | 27.Oktober 2009 um 21:00 Uhr |
| Kategorie: | Politik |
| Tags: | Aleksejs Ribakovs, Andorra, Bochum, Flucht, Gewalt, Max Frisch, Ohmacht, Priester, Übergriff |
| Author: | A. D. alias Trendy |
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Kommentare:
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[...] zu “Jugendliche vertrieben orthodoxen Prister aus Bochum” auf DerWesten und auch hier in den Kommentaren zu dem Beitrag “Ohmacht – ein Priester flüchtet aus der Stadt… abstruse und teilweise lächerliche Vermutungen, Anschuldigungen und [...]









Auch wenn die meisten in den WAZ-Kommentaren Moslems vermuten bin ich mir da gar nicht mal so sicher. In querenburg ist das unicenter. und bei über 30.000 studenten von denen viele geisteswissenschaften, journalismus, lehramt… studieren bedeutet dies ein sehr großes linkes potential. die meisten “linken” sind ja so fortschrittlich das sie das christentum als “opium fürs volk” verschreien während sie andere religionen als vor den “NAZIS” als schützendwert erachten. Aus diesem Grund halte ich es für durchaus möglich das dies ein gewaltakt der linkenszene war. die angriffe auf das auto sprechen bände. die linke meist faschistoide haltung was das christentum angeht dultet keine andere meinung und respektiert diese auch nicht. schade das wir in deutschland so weit sind.
die BRD ist auf dem linken Auge blind
Eine Frage vorab. Zensierst du die Kommentare vorher? Falls es aus rechtlichen Gründen passiert würd ich zu einer ausländischen adresse raten. Alle anderen Gründe halte ich für fragwürdig.
Mutmaßlich mutmaße ich das es auch ein Angriff aus dem linken Spektrum seien kann. Folglich auch von Studenten. Als ehemaliger Bochumer Student kenn ich das Unicenter, die Uni und die U35. Von daher finde ich diese Vermutung gar nicht so verkehrt. Dafür sprechen die Angriffe aufs Auto (Urin, Kotze, …) und die relative gewaltlosigkeit sowie der Aspekt dass es kein Raubüberfall war. Gegen Moslems spricht das sie mehr Achtung vor Leuten haben die ihre Kultur und Religion leben als vor Menschen die ihre Wurzeln vergessen haben und dem westlichen und religiösen Lebenswandel nachgehen. Die “Prollkanaken” muss ich leider ausschließen weil kein Abziehen stattfand. Also bleiben nur deutsche Täter. Die Unterschicht ist zwar auch antichristlich aber ebenso konsumorientiert…daher hätte der Übergriff in Raub geändet. Aufgrund der vorherigen Vorfälle muss man auf ein geplantes Handeln schließen. Der Ausdruck “Aramäischer Priester…” lässt darauf schließen dass man sich informiert hat. Jedoch bringt dies die Türken wieder ins Rennen. Ich kömme jedoch zu dem Schluß das es geplante Taten waren, die sich über Monate gesteigert haben und man wusste genau über die Hintergrunde, religion des Opfers bescheid. Also waren die Täter inteligent, deutsch und antichristlich. Also Stundenten des linken Spektrums oder “Fremdwörter benutzende um clever zu wirken” Antifa.
Sozialisten haben ein Problem mit dem Christentum sein es Nazis oder Kommunisten. Dies beschränkt sich nicht auf die Katholiken.
Schön das du andere Religionen schützen willst, aber die linken tun dies nur aus ihrem geistig idiologischen Dilema heraus. Auf der einen Seite Religion, ihre Geschichte, Werte zu verachten und zum anderen alles was nicht deutsch ist als super und bereichernd zu empfinden. Islam ist zwar Religion also ganz doof aber hat nicht mit deutscher Kultur zu tun also ist es wieder gut.
Asta, ich habe deinen Kommentar freigeschaltet, weil ich ein paar Fragen habe.
Anders als die anderen Mutmaßer, die Moslems hinter den Taten mutmaßen, mutmaßt du, dass mutmaßlich auch linke Studenten hätten sein können?
Und die mutmaßlichen linken Täter, hätten den griechisch-orthodoxen Priester immer wieder attackiert, weil sie den katholsichen Glauben, frei nach Lenin, für “opium fürs Volk” wie du es schreibst, ansehen und einstufen?
Die Linken seien die, die andere Religionen vor Nazis als schützenwert erachten? Wenn ja, bin ich der linkeste der Linken!
Was soll deiner Meinung nach geschehen, damit die BRD nicht mehr auf dem linken Auge blind ist?
Sorry, aber ich finde die gesamte Geschichte extrem wirsch: auf’s Auto übergeben, Beleidigungen a la “Du aramäischer Christ” – das klingt irgendwie doch extrem weit hergeholt. Ich will ja nicht sagen, dass die Geschichte unwahr ist, aber irgendwie fühle ich mich an den Jungen erinnert, der immer “Hilfe, Wölfe” gerufen hat..
Asta,
die Vermutung, es handele sich irgendwie um “linke Studenten”, ist mal sowas von abwegig.
Schön, dass du “die U35″ kennst, aber was das mit dem Sachverhalt zu tun hat, weißt wohl nur du. Als Betätigungsort militanter Linker ist sie mir jedenfalls noch nicht aufgefallen. Jeder, der wiederum irgendwie die “linke Szene” an der RUB kennt, falls es sowas noch gibt, also AStA bzw LiLi, al und ggf. bo-alternativ, weiß, dass ihre Angehörigen für solche Sachen mal sowas von gar nicht in Frage kommen. Solltest dich evtl. auch mal mit sowas wie “Entpolitisierung der Studierendenschaft” auseinander setzen. Als ich in deinem Beitrag gelesen hab, unter Lehramtsstudierenden sei ein großes Potential an (militanten?) Linken, musste ich schon lachen. Realitätsferne at its best. Wann hast du studiert? In den 60ern, 70ern oder 80ern? Die RUB ist übrigens eine Pendleruni, aber das weißt du sicher. Die wenigstens Studierenden werden überhaupt mal am Gropiusweg gewesen sein, geschweige denn wissen, wo der liegt.
Inwiefern das Kotzen und.. Kot ausscheiden auf Autos “tpyisch links” ist, musst du wohl auch mal erklären. Bevor du dir die Mühe machst, gebe ich dir einen Tipp: es ist es nicht. Überhaupt ist das Anpöbeln und Mobben (über 5 Jahre hinweg!) Geistlicher durch Linke wo genau vorgekommen in letzter Zeit bzw. irgendwann mal in Deutschland? Richtig, nirgends. Erst recht nicht würde eine “exotische” Minderheit auch nur kritisiert.
Ach und zu guter letzt scheint sich der Priester selbst sicher zu sein, dass das ganze einen religiösen und nicht etwa einen politischen Hintergrund hat (s. RN-Artikel). Sorry, aber es wirkt einfach so, als könnest du diese Situation nur verzerrt durch einen ziemlich krassen Linkenhass wahrnehmen.
Oh und so “am Rande”: schlimme Sache.. macht es nicht unbedingt schöner, in Bochum zu wohnen. Ich hoffe, dass die Sache irgendwie gelöst und der Mann mit seiner Familie in Bochum bleiben kann/will.
Haha eine Sache noch: im Artikel ist von “Jugendlichen” die Rede.. das schließt Studenten (erst recht linke, die ja notorische Langzeitstudenten sind ;)) mal ganz einfach aus.
Nein, bisher hat hier keine Zensur stattgefunden. Was auch daran liegen kann, dass dein Kommentar der erste in diesem Weblog war bzw. ja auch noch ist. Und rechtliche Bedenken sind es tatsächlich, die uns/mich prüfen lassen, ob ein Kommentar freigeschaltet wird. Meinem Verständnis nach, sind wir/ich dafür (recthlich) verantwortlich, was hier in diesem Weblog steht. Und Braun ist nicht meine Lieblingsfarbe, daher würden eindeutige Kommentare in diese Richtung nicht freigeschaltet. Kommentare die zu Gewalt aufrufen (ob links, rechts, mitte, oben oder unten) oder anderweitig Menschenverachtet sind, würden ebenfalls nicht freigeschaltet.
So viel dazu.
Ich muss zugeben, dass dein zweiter Kommentar eindeutiger ist. Er nennt einige Anhaltspunke, die so interpreteirt werden können, dass eine spezielle Gruppierung für die Taten in Frage kommt.
Genauso haben die Kommentatoren unter dem Artikel einige Anhaltspunke für sich ausgemacht, die sie annehmen lassen, dass die Täter einer speziellen Gruppierung, Religion, Etnhie angehören.
Ich habe ein anderes Problem damit und das steht für mich vor der Frage, wer die Täter waren. In wie weit sind wir Täter, indem wir es zulassen, dass ein Priester, egal welcher Religion, über Monate hinweg massiv bedroht wird und seine einzige Lösung darin sieht zu flüchten?
Der Mann hat die Polizei eingeschaltet, weiß aber auch, dass sie ihn ja nicht ständig schützen kann. Die Presse berichtet ab dem jetzigen Zeitpunkt darüber (zumindest werde ich zum ersten Mal darauf aufmerksam), lässt aber Raum für Spekulationen über die Täter (ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien! Das meine ich ernst!). Und vielleicht wird ja auch jetzt jemand aktiv, der die Situation “retten” möchte. Jemand der es schafft, bei den Tätern für Reue zu sorgen und ihnen Toleranz einzuimpfen. Jemand der es schafft, dem Priester seine Angst zu nehmen und derer statt neues Vertrauen zu geben. Vertrauen vielleicht darin, dass jemand auch in seiner Siedlung dazwischen geht und sagt: “So nicht!” Und dieser jemand darf dann auch nicht allein da stehen, jeder von uns muss bereit sein, sich ihm an die Seite zu stellen.
Ich würde mir wünschen, dass dieser konstruktive Dialog stattfindet, statt Vermutungen über Täter anzustellen, die wenig hervor bringen, außer Vorturteile etc.
Ah uuund sorry für den Doppelpost, aber @ Trendy: Ich denke mal, dass zu der Herkunft der Täter nichts Spezielles in der Presse genannt wird, weil das aus verständlichen Gründen der political correctness nicht gewünscht ist. So sehr ich mir auch was anderes wünschen würde, ich denke die Frage ist relativ einfach zu beantworten. Das ergibt sich schon aus der Zusammensetzung des Stadtteils (wobei da ja auch viele (Deutsch-)Russen wohnen). Von Seiten der WAZ bzw. RN will man hier einfach Rechten keinen Vorschub leisten bzw. aktiv zur Volksverhetzung beitragen. Ist wie gesagt verständlich und auch vom Grundgedanken richtig, aber klappt irgendwie nicht.
Tut mir leid, dass sich das jetzt doch wieder irgendwie auf die Herkunft der Täter und nicht auf Problemlösung bezieht, aber naja, das wollte ich mal loswerden ;).
@himynameis
“…schlug der etwa 20-Jährige zu und spuckte…” – das Alter ist hier leider doch kein Argument um einen Studenten auszuschließen.
@himynameis
Ich habe kein Problem bezüglich eines Doppelpost. Wenn du noch mehr zu sagen hast, darfst du sogar Tripleposten :)
Back to topic: Ich schrieb ja, dass ich kein Freund von Verschwörungstheorien bin und im Grunde wollte ich damit sagen: Ich weiß nicht, warum die Zeitungen keine weiteren Angaben zu den Tätern machen. Und es ist für mich auch zu müßig darüber nachzudenken, da ich ja ohnehin nicht auf die Lösung kommen kann, außer ich schreibe sie an und bekomme diesbezüglich eine Antwort.
Da hatte ich doch unrecht. Es waren keine Deutsche sondern doch die Moslems
Alle?